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Einführung in die Haltung von Frettchen

Dieses Thema im Forum 'Frettchen Forum' wurde von Sven gestartet, 15 Februar 2011.

  1. Sven TierQuaker

    Das Frettchen ist schon seit vielen Jahrhunderten ein Begleiter des Menschen. Stammen doch die ersten belegbaren, schriftlichen Überlieferungen seiner Existenz von Aristoteles, aus dem Jahre 400 vor Christi, der es als "Ictis" ( Honig- und Vogelfresser, sowie als hilfreichen Jagdgefährten) bezeichnet.

    Wissenschaftlich betrachtet, ist das Frettchen die domestizierte Form vom Iltis und gehört somit zur großen Familie der marderartigen, fleischfressenden Raubtiere. Es ist übrigens das Dritte im Bunde der zu Haustieren gewordenen Raubtiere bei uns in Europa (neben Hund und Katze).

    Durch Zähmung und gezielte Zucht, über viele Jahrhunderte hinweg entstand das zahme Albino - Frettchen. Es diente dem Mensch in erster Linie als Mäuse- und Rattenfänger auf den Höfen, bis die Katze ihren Einzug hielt und das Frettchen aus dieser Funktion verdrängte, weil Frettchen nicht so reviertreu sind wie unsere Samtpfoten.

    Sein überleben bis in die heutige Zeit sicherte uns die Jägerschaft, da sie die Frettchen zum Aufstöbern der Kaninchen in den Bauten einsetzen. Jedoch ist diese Jagdform stark rückläufig, da die Frettchen entsprechen ausgebildet werden müssen und sich nicht jede Jahreszeit zum Frettieren eignet.

    Aber die Frettchen werden nicht aussterben, denn gerade in den letzten 20 Jahren wurde das Frettchen als Haustier entdeckt.

    Das Frettchen als Haustier ?
    Wir als Frettchenfreunde sehen diesen Trend mit sehr gemischten Gefühlen, denn die Frettchenhaltung ist nicht unproblematisch und man trifft sie immer häufiger, mit steigender Tendenz, in den Tierheimen an.

    Warum ist das so ?
    Diese Frage beschäftigt uns auch immer wieder, aber betrachtet man die typischen Wesenszüge eines Frettchens kommt man der Antwort schon näher.

    Ein normales und gesundes Frettchen ist: Neugierig, ein guter Kletterer und sehr aktiv , Besonders direkt nach dem Aufstehen flitzt es durch sein Revier und schaut nach dem Rechten. Dann sind umgestürzte Kaffeetassen = keine Seltenheit. Ausgebuddelte Blumentöpfe = ein Muss. Abgewickelte Garnrollen = Normalität. Mit Frettchentapsen signierte Bücher = Standard und ausgeräumte Küchenschränke sorgen für den nächsten Einkaufsbummel der Hausfrau.

    Auch ihr enormer Platzbedarf ist wohl ein Grund dafür: Werden Frettchen nicht kontinuierlich frei in der Wohnung oder in einem eigenen Zimmer gehalten, benötigen sie eine artgerechte Unterbringung in einem Käfig in der Wohnung mit den Mindestmaßen von 100 x 100cm Bodenfläche und einer Höhe von 150 bis 200cm Höhe bzw. einer Mindestgrundfläche von 150 x 80cm bei einer Höhe von 120 bis 150cm. Der Käfig ist durch mehrere gegen Abrutschen gesicherte Sprungbretter und/oder Kletterröhren in zwei bis drei Etagen zu unterteilen.
    Als Mindestausstattung des Käfigs sollten zwei oder mehr Schlafmöglichkeiten in Form von Hängematte oder Schlafhäuschen, zwei Katzentoiletten mit Einstreu, Wassernapf zum hängen sowie Fressnäpfe vorhanden sein. Heu und Stroh sollte als Nestmaterial wegen Schimmelgefahr nicht verwendet werden; besser geeignet sind nicht fadenziehende Baumwolltücher. Der Käfigboden darf nicht eingestreut sein, da Frettchen ihr Futter darin wälzen und ggf. Streu mit fressen können.
    Bei entsprechend häufigem Freilauf (s. oben) können in einem Käfig diesen Ausmaßes und dieser Ausstattung maximal 5 Tiere gehalten werden.

    Für die Haltung auf dem Balkon gelten die gleichen Mindestmaße. Ein Süd- oder Westbalkon ist für die dauerhafte Unterbringung auch bei ausgespannter Markise ungeeignet. Zusätzlich muss eine Absicherung gegen Entweichen der Tiere und gegen Abstürzen vorhanden sein und der Käfig oder der Balkon gegen Einbruch von außen gesichert sein.
    Bei einer Außenhaltung ist eine Einzeltierhaltung grundsätzlich abzulehnen.
    Zusätzlich zur Mindestausstattung bei Wohnungshaltung soll in den Sommermonaten eine mit Wasser gefüllte flache Schale, in den Wintermonaten eine isolierte Schlafbox und eine am besten mit der Schlafbox kombinierte und gut isolierte Futterhütte vorhanden sein. Es muss darauf geachtet werden, dass weder Futter noch Wasser einfrieren können. Evtl. kann mit Hilfe einer Wärmflasche die Temperatur in der Futterkammer in Plusgraden gehalten werden.

    Das Maß einer Außenvoliere, in der sich die Tiere überwiegend aufhalten sollen, muss mindestens 6m? Grundfläche pro zwei Tiere betragen. Für jedes weitere Tier ist ein weiterer Quadratmeter notwendig. Es muss die Möglichkeit zum Graben gegeben sein (60cm tiefes Erdreich), eine Hälfte des Geheges muss ständig beschattet sowie vor Regen geschützt sein. So wie bei Balkonhaltung ist eine Wasserschale bzw. eine winterfeste Hütte notwendig. Die Tiere müssen am Entweichen gehindert werden können und das Gehege gegen Einbruch gesichert sein.
    Eine Ausstattung in mehreren Etagen und eine abwechslungsreich gestaltete Einrichtung mit Spring-, Kletter- und Spielmöglichkeiten sind wichtig für eine artgerechte Unterbringung.

    Keine Einzeltierhaltung. Das Frettchen braucht mindestens einen Artgenossen, denn zu zweit kann man wunderbar kuscheln, sich jagen und miteinander spielen. Der Mensch kann den Artgenossen einfach nicht ersetzen und die sozialen Bindungen der Tiere, können so intensiv sein, dass sie in den Hungerstreik treten, wenn sie von ihrem Partner getrennt sind.

    Ein weiterer Punkt der manchen Halter zur Abgabe ihrer Frettchen bewegt, ist die notwendige medizinische Versorgung, als da wären: Die jährliche Schutzimpfung gegen Staupe und Tollwut. Selbst bei der reinen Wohnungshaltung sollten die Tiere dagegen geimpft sein, da schon Kontaktpersonen als Virusüberträger fungieren können und beide Krankheiten im Regelfall t?ödlich verlaufen.

    Kastration. Die Rüdenkastration ergibt sich oft von selber, da sie in der Ranzzeit (Februar bis September) ihre Paarungsbereitschaft dem Umfeld durch extremen Eigengeruch mitteilen und ihr Verhalten vorwiegend triebgesteuert ist. Z.B. markieren des Reviers und Schleppen der Fähen, egal ob sie damit einverstanden sind oder nicht !

    Bei der Fähe verhält es sich etwas anders. Sie entwickelt nicht diesen starken Geruch, aber in ihrem Körper tickt die "Bombe". Denn in der Ranz, äußerlich erkennbar durch die stark angeschwollene Vulva, produziert der Körper sehr viele Östrogene. Diese Hormonüberproduktion nennt man „Dauerranz“ und führt meist zu hochgradiger Anämie und Blutgerinnungsstörungen, bis hin zum qualvollen Tod.

    Daher forcieren wir eine Kastration beider Geschlechter.

    Die Ernährung
    Frettchen sind als Raubtier aus der Familie der Marder Fleischfresser
    Ihr Magen -Darm-Kanal ist deshalb auf tierische Nahrung eingestellt. Die Magen-Darm-Passage beträgt etwa 3 Stunden. Durch diese kurze Verdauungszeit ist es wichtig, ständig Futter bereitzustellen. Das Futter muss stets frisch sein und sollte nicht länger als maximal 24 Stunden stehen bleiben. Der Magen-Darm-Trakt reagiert schon auf leicht verdorbenes Futter sehr empfindlich.
    Das Futter sollte zu 80 % aus tierischer und 20 % aus pflanzlicher Kost bestehen. Fleisch kann roh oder gekocht verfüttert werden, bewährt hat sich Rind-, Lamm- oder Geflügelfleisch (Rinderherz, Grüner Blättermagen, Pansen, Hühnerherzen, Hühnermägen usw.) Schweinefleisch bitte nie verfüttern. Das Fleisch bitte nicht zu klein schneiden, um den Ansatz von Zahnstein zu verhindern. Fettanteile brauchen nicht entfernt zu werden. Beim Kauf von Dosenfutter sollte man auf einen hohen Protein- und Fettanteil achten, der den hohen Energiebedarf der Frettchen deckt. Zucker, Salz und künstliche Aromastoffe sollten nach Möglichkeit nicht oder nur sehr gering enthalten sein. Als Zwischenmahlzeit kann man Katzentrockenfutter anbieten, es ist dabei aber zu beachten, dass sich die Tiere nicht ausschließlich von Trockenfutter ernähren, an das sie sich schnell gewöhnen. Pflanzliche Kost sind Hunde- oder Gemüseflocken, die unter das Dosenfutter gemischt werden. Obst und Gemüse kann auch verfüttert werden ( Gurken, Melonen, Paprikaschote usw.).
    Bei der Fütterung von Fisch sollte man dem Seewasserfisch den Vorzug geben, da das im Süßwasserfisch enthaltene Ferment Thiaminase im Körper das Vitamin B1 ( Thiamin) zerstört. Wichtig ist natürlich, den Tieren täglich frisches Wasser bereitzustellen. Die Fütterung sollte sehr abwechslungsreich sein.

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